Allgemein

Bei einem Distanzvektor Routing Protokoll sendet ein Router nur an seine direkt verbundenen Nachbarn eine Kopie der gesamten Routing-Tabelle in regelmäßigen Abständen. Bei einigen Implementierungen von Distanzvektor Routing Protokollen gibt es auch schon ereignisgesteuerte Routing-Updates. Dieser Vorgang wird von jedem Router im Netz ausgeführt und in Folge dessen kommt es nach einer gewissen Zeitdauer, je nach Größe des Netzwerks, zu einem konvergenten Netzwerk. Wenn ein Router seinen Betrieb im Netzwerk aufnimmt, dann beginnt man bei Distanzvektor Routing Protokollen damit, dass jede direkte Verbindung zu einem Netz mit der Entfernung 0 startet. Erst danach beginnt der Distanzvektor Router Erkennungsprozess, dass heißt der Router ermittelt anhand von Nachbar-Router Informationen den optimalen Pfad zu den Zielnetzen. Die Routing Algorithmen auf Distanzvektor-Basis sind auch als Bellman-Ford Algorithmen bekannt.


Die Vorteile von Distanzvektor Routing gegenüber Link-State Routing

  • Distanzvektor Gateway Protokolle sind leichter zu konfigurieren und zu verwalten. Der Administrator muss über keine Link-State Kenntnisse verfügen
  • Die Prozessor Auslastung und der Speicherbedarf ist in der Regel wesentlich geringer. Das hat zur Folge, dass man noch auf relativ günstige Router zurückgreifen kann.

Die Nachteile von Distanzvektor Routing gegenüber Link-State Routing

  • Der Aufbau eines konvergenten Netzwerks dauert wesentlich länger, dies macht sich beim Neuaufbau wie auch beim Update, wenn z.B.: ein Link ausgefallen ist, sehr stark bemerkbar.
  • Der Router hat nur eine sehr beschränkte Sicht auf die Topologie des Netzes. Das heißt der Router wird bei dieser Methode, mit Ausnahme seiner direkt angeschlossenen Router, nie die genaue Topologie des Netzes kennen lernen. Er kann also nur erahnen was sich hinter einer Routing-Tabelle alles verbirgt.
  • Durch diese beschränkte Sicht auf die Netz-Topologie sind solche Distanzvektor Routing Protokolle auch sehr anfällig für Routing-Schleifen. Es sei denn es werden rechtzeitig Gegenmaßnahmen getroffen um solche Routing-Schleifen zu verhindern.
  • Da bei Updates immer eine Kopie der ganzen Routing-Tabelle versendet wird, kommt es auch ohne den Nutzverkehr zu einer nicht unwesentlichen Beanspruchung des Netzwerks.

Im Folgendem nun eine kurze Beschreibung der am meisten verwendeten Distanzvektor Routing Protokolle:


Routing Information Protokoll Version 1 (RIP Ver.1)

  • Allgemein kann man sagen, dass RIP eine sehr gute Lösung bei kleinen Netzen ist. Je größer ein Netzwerk wird umso empfehlenswerter und sicherer wird es dann auf andere Routing-Protokolle zu wechseln.
  • Bei RIP [RFC1058, STD56] werden standardmäßig alle 30 Sekunden die Routing Updates übermittelt. Kleine Verbesserungen gibt es zum Beispiel bei der Cisco Implementierung von RIP. Diese Implementierung beinhaltet auch ein ereignisgesteuertes Update, dieses Ereignis tritt ein wenn Topologieänderungen erkannt wurden.
  • Bei RIP entspricht jeder Hop (z.B.: vom Router zum Nachbar-Router) einen Metrikwert von 1. Eine Eigenschaft von RIP ist, dass dieses Routing Protokoll einen maximalen Hop-Count von 15 erlaubt. Wenn ein Router also ein Update von seinem Nachbar-Router bekommt und bei einer Route schon ein Hop-Count von 15 existiert, dann überschreitet er den Schwellwert und die Route wird als unendlich angesehen. Das hat zur Folge, dass das Netzwerk als „nicht gültig“ angesehen wird. Durch diesen Grenzwert wird eine unendliche Schleifenbildung verhindert.

Routing Information Protokoll Version 2 (RIP Ver.2)

Gleich wie bei RIP Version 1, wird auch bei Version 2 die Anzahl der Hops als Routen-Maß verwendet und es hat auch noch weitere Eigenschaften von RIP Ver.1 beibehalten. Hier eine Auflistung der Änderungen die bei Version 2 gemacht wurden:

  • Im Gegensatz zu RIP Ver.1 unterstützt Ver.2 die Variabel Length Subnet Mask (VLSM).
  • Wurden bei Version 1 die RIP-Pakete noch per Broadcast übertragen, so gibt es bei Version 2 schon die Übertragung der Pakete via Multicast.
  • Aber auch die Unterstützung von Subnetmasken wurde bei der Version 2 implementiert. Es ist jetzt möglich die Netzmasken zu übertragen, damit besteht bei RIP Ver.2 auch die Möglichkeit variable Längen der Subnet-Masken (VLSM) zu verwenden.

Interior Gateway Routing Protokoll (IGRP)

  • IGRP ist ein von Cisco entwickeltes Interior Routing Protokoll, es wurde vom Netzwerkspezialisten Anfang der 80er Jahre entwickelt.
  • Bei IGRP werden standardmäßig alle 90 Sekunden Routing Updates ausgeführt.
  • Anders als bei RIP, wo ja nur die Hops für die Metrikbemessung verwendet werden, gibt es bei IGRP mehrere Parameter die zur Metrikberechnung herangezogen werden. Defaultmäßig sind es zwei: zum einen die Bandbreite und zum anderen die Verzögerung. Weiters können aber noch die Auslastung und die Zuverlässigkeit zur Berechnung herangezogen werden.
  • IGRP hat im Vergleich zu RIP wesentlich schnellere Konvergenz Zeiten, weiters kennt IGRP auch keine Hop-Beschränkung. Daraus folgt das IGRP besser dafür geeignet ist große Netzwerke zu verwalten als RIP.
 
distanzvector.txt · Last modified: 2009/09/13 14:37 (external edit)
 
Except where otherwise noted, content on this wiki is licensed under the following license:CC Attribution-Noncommercial-Share Alike 3.0 Unported
Recent changes RSS feed Donate Powered by PHP Valid XHTML 1.0 Valid CSS Driven by DokuWiki