Begriffsunterschiede:

Dieses Kapitel soll einen kleinen Überblick über die unterschiedliche Benennung der Komponenten dieser beiden Routing-Protokolle geben. Viele Systemadministratoren die aus der RIP.-, EIGRP.- oder OSPF-Welt kommen finden die Namen vieler Komponenten in IS-IS sehr verwirrend. Die nun folgende Tabelle soll Licht und vor allem Klarheit für diese Anwender bringen und stellt die verschiedenen Benennungen zwischen OSPF und IS-IS gegenüber.

ospfvsisis.jpg

Tab.1: Begriffsunterschiede zwischen OSPF und IS-IS (vgl. IS-IS Network Design Solution)


Gleichheiten bzw. Ähnlichkeiten zwischen OSPF und IS-IS

Diese beiden Routing-Protokolle sind sich in vielerlei Hinsicht sehr ähnlich und in Folge dessen ist es mit unter keine leichte Entscheidung welches dieser Routing-Protokolle zu bevorzugen ist. Die Mehrheit der großen Internet Service Provider (ISP) verwenden IS-IS als Routing-Protokoll. Bei kleineren ISP, aber auch bei mittleren bis großen Firmennetzwerken wird immer noch OSPF bevorzugt verwendet. In diesem Kapitel werden jetzt die Gleichheiten, oder zumindest die Ähnlichkeiten zwischen OSPF und IS-IS genauer erläutert.

  • Bei diesen beiden Protokollen handelt es sich um Link-State Protokolle, die wie im Kapitel Link-State genau beschrieben sehr viele Vorzüge, wie z.B.: die schnelle Konvergenz die im Netz erreicht wird, gegenüber den Distanzvektor-Protokollen haben.
  • IS-IS und OSPF verwenden den Shortest Path First (SPF) Algorithmus von Dijkstra um den Shortest Path Tree (SPT) zu allen Knotenpunkten in der Area zu berechnen.
  • Beide realisieren mittels Areas hierarchisches Routing. Durch Areas lassen sich Netzwerke besser skalieren. Weiters unterstützen beide Protokolle eine zwei Level-Hierarchie. IS-IS ist beispielsweise in logische Ebenen, so genannte Levels, unterteilt. Bei Level 1 werden innerhalb einer Area die Routing-Packete versendet und bei Level 2 zwischen zwei verschiedenen Areas aber innerhalb der gleichen Domain. Die Zwei Levels bei OSPF nennen sich Regular Area und Backbone Area. Das Backbone Area nennt man bei der Cisco Implementierung Area 0 und muss immer vorhanden sein.
  • Beide Routing-Protokolle verwenden den Flooding-Mechanismus um Routing Informationen auszutauschen. Wird z.B.: bei Broadcast-Netzen über Designated-Router realisiert.
  • OSPF und IS-IS verwenden Hello-Packets (HP) um Nachbarschaftsbeziehungen aufzubauen. Der Aufbau dieser HP ist bei den beiden Protokollen unterschiedlich. Bei IS-IS werden die IS-IS Hello Pakete auf der Schicht 2 via Broadcast an alle Level 1 Intermediate-Systeme (allL1ISs) bzw. an allL2ISs übertragen.
  • In beiden Routing-Protokollen werden Link-State Packete bzw. Link-State Advertisements verwendet um Topologie zu übertragen und somit ein schleifenfreies, konvergentes Netzwerk zu garantieren. Einen Unterschied gibt es aber bei der Länge der LSPs bzw. LSAs. Bei OSPF haben die Link-State Advertisement Packete immer eine fixe Länge, deswegen gibt es eine Reihe unterschiedlicher LSAs. Bei IS-IS sind alle Packete durch die Verwendung von TLVs erweiterbar. Im Kapitel „pakettypen“ wird auf dieses Kriterium noch genauer eingegangen.
  • Um zu verhindern, dass es in einem Netzwerk Datenleichen gibt, das sind z.B.: alte LSPs oder LSAs, verwenden beide Protokolle so genannte „Aging Timer“. Der Default-Wert beträgt bei IS-IS 1200 Sekunden, bei OSPF sind es 60 Minuten. Der maximale Wert ist bei IS-IS 18,7 Stunden und bei OSPF genau eine Stunde.
  • Die Gleichheiten bzw. auch die Unterschiede der Metrikberechnung werden im Kapitel „Metrikberechnung“ genauer erläutert.

Ungleichheiten zwischen OSPF und IS-IS

Um die im vorherigen Punkt erwähnten Gleichheiten und Ähnlichkeiten zu kompensieren, werden im diesem Kapitel die Ungleichheiten von OSPF und IS-IS behandelt.

  • Anders als bei OSPF, hier handelt es sich um einen Internet Engineering Task Force(IETF) Standard, handelt es sich bei IS-IS um einen International Telecommunication Standard (ITU), vormals International Organization for Standardization (ISO) Standard.
  • Bei OSPF ist es nur möglich IP-Pakete zu Routen. Anders ist es bei IS-IS, hier können sowohl ISO CLNP Pakete wie auch IP-Pakete gerouted werden.
  • Bei OSPF werden 32 bit IP-Adressen zum Routen verwendet. Bei IS-IS kann man entweder IP- oder CLNP-Adressen einzeln verwenden, oder im DUAL-Mode, also beide gleichzeitig, betrieben werden. Für den Aufbau einer CLNP-Adresse siehe Kap. Adressierung.
  • Integrated IS-IS läuft direkt über OSI Schicht 2 (Datalink-Layer) und ist als Folge dessen sicher gegenüber Angriffen wie z.B.: dem IP-Paket Spoofing aber auch vor bestimmten Denial of Service (DoS) Attacken. OSPF läuft im Gegensatz dazu über das Internet Protokoll (IP) mit der Protokoll Nummer 89. Das heißt also, dass OSPF mit einem zusätzlichen IP-Header auskommen muss, dieser IP-Header steigert aber den Overhead eines Routing-Packets.
  • Bei OSPF gibt es einen Backup-Designated-Router. Dieser hat die Aufgabe, dass wenn der Designated-Router ausfällt der Backup-Designated-Router zum Designated-Router wird. Bei IS-IS gibt es kein Backup Designated Intermediate-System, stattdessen nimmt IS-IS in Kauf einen neuen Wahlvorgang zu starten wenn das Designated Intermediate-System ausfällt. Weiters kann bei IS-IS jederzeit ein neues IS mit einer höheren Priorität das aktuelle Designated IS ablösen. Dieser Vorgang ist bei OSPF nicht möglich, hier gibt es erst eine Änderung wenn der DR nicht mehr erreichbar ist.
  • OSPF unterstützt mehr Link-Typen als IS-IS. Die Point-to-Point- und die Broadcast Verbindungen werden von beiden Routing-Protokollen unterstützt. Weiters werden von OSPF auch noch die Nonbroadcast-Multiacess.-, die Point-to-Multipoint.- und die Demand Circuits Link-Typen unterstützt.
  • Ein weiterer sehr wichtiger Unterschied sind die Zugehörigkeiten eines Routers bzw. IS zu einer Area. Bei IS-IS ist jedes IS genau einer physischen Area mittels Area ID, die in der NSAP steht, zugeordnet. Genauer gesagt, die Grenze einer Area liegt bei diesem Protokoll auf dem Link. Bei OSPF kann ein Router zu mehreren Areas gehören. Hier liegt die Areagrenze auf dem Interface des Routers.
  • Unterschiedlich ist auch die Anzahl der verwendeten Router bzw. IS die in einer Area und einer Domain bzw. einem Autonomous System betrieben werden können. In einer IS-IS Domain kann man bis zu 1000 ISs betreiben. Natürlich vorausgesetzt, dass man ein optimal konfiguriertes und skaliertes Netz verwendet. Bei OSPF ist es nicht möglich die gleiche Anzahl an Router zu erreichen. Hier spricht man von maximal 350 Router in einem Autonomous System und maximal 50 Router pro Area.

Quellen:

Abe Martey, IS-IS Network Design Solution, Kap. 7

CCNP 1

 
ospfvsisis.txt · Last modified: 2009/09/13 14:37 (external edit)
 
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